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Samstag, 31. Dezember 2022

Wie eine echte Untersuchung der Reaktion auf COVID aussehen würde

Nürnberg 2.0

Es bleiben beunruhigende Fragen darüber offen, wer was, wann und warum in den Tagen vor den Lockdowns im Frühjahr 2020 und danach getan hat.

Nach der katastrophalen Reaktion der Welt auf Covid-19 haben einige Regierungen begonnen, zu untersuchen, was falsch gelaufen ist. Doch aufgrund einer Kombination aus Politik, Gesichtswahrung und offener Korruption waren diese Untersuchungen im Allgemeinen zahnlos. So kam beispielsweise ein im vergangenen Jahr vom britischen Unterhaus veröffentlichter Bericht zu der rückwärtsgewandten Schlussfolgerung, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können, wenn das Vereinigte Königreich drei Tage früher in einen strengen Lockdown gegangen wäre.

Schlussfolgerungen wie diese sind ebenso beleidigend für die Intelligenz der Öffentlichkeit wie die Reaktion auf Covid selbst. Die Reaktion auf Covid führte zum stärksten wirtschaftlichen Einbruch seit der Großen Depression, zu einer weltweiten Hungersnot, einer Krise der psychischen Gesundheit, einer galoppierenden Inflation, einem Transfer von über 3 Billionen Dollar von den Ärmsten der Welt zu den Reichsten, dem vorzeitigen Tod Hunderttausender junger Menschen und der schlimmsten Bildungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Angesichts des Ausmaßes des angerichteten Schadens verdient es die Öffentlichkeit, genau zu erfahren, wer was wann und warum in den Tagen vor den Lockdowns im Frühjahr 2020 und danach wusste und tat.

Auch wenn es politisch nicht durchsetzbar ist, sollte eine Untersuchung der Reaktion auf COVID idealerweise die Form eines internationalen Tribunals annehmen. Im Folgenden werden nur einige der vielen beunruhigenden Fragen genannt, auf die jeder Führer, der behauptet, die Öffentlichkeit zu vertreten, Antworten verlangen sollte. 

 

TE Wecker am 31.12.2022

Heute mit dem dritten und letzten Teil unseres Gespräches mit Fritz Goergen, Autor von TE, in dem wir der Frage nachgehen: Was machen wir mit einem Staat, der kaum mehr in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen. Angefangen von bröselnden, baufälligen Brücken, horrender Bürokratie, nicht funktionierenden Ämtern über mangelnde Verkehrsinfrastruktur bis hin zum dramatischen Versuch einer kleinen Gruppe, einem Industriestaat die Energieversorgung abzuschneiden.

Klar ist: Die Parteien haben ihre ursprüngliche Rolle verloren. Und: Sie dürfen auch keine Rolle mehr im Staatsaufbau spielen. Da haben sie nichts verloren. Doch wie sollen Entscheidungen getroffen werden?  

 

Ein Märchen zum Wochenende

Der Salbyer Rabe

Es war einmal eine Frau, die einen einzigen Sohn hatte, der so faul war, daß er sich nicht einmal jucken mochte, und seine Mutter alles für ihn besorgen mußte. Eines Tages saß er und sah aus dem Fenster, da gewahrte er einen großen Raben, der auf einem Apfelbaume saß und die Aepfel anpickte. Das ärgerte den Jungen, und er machte sich daher die Mühe, eine Büchse von der Wand zu nehmen und auf den Raben zu schießen. Er schien ihn getroffen zu haben, denn der Rabe fiel in demselben Augenblick ein wenig tiefer am Baume hinab. Der Junge schoß daher nochmals, und der Rabe fiel wieder etwas tiefer hinab. Er schoß zum dritten Mal, da fiel der Rabe ganz zur Erde und blieb dort wie todt liegen.

Jetzt ging der Junge in den Garten hinaus und zum Raben hin; allein er mochte sich nicht zu ihm herunterbücken, daher ließ er sich platt auf ihn niederfallen. Aber in demselben Augenblick fuhr der Rabe in die Höhe, entfaltete seine breiten Schwingen und flog mit dem Jungen hoch in die Luft empor. Dem Jungen blieb nichts anders übrig, als sich fest um dessen Hals zu klammern, während derselbe seinen Flug fortsetzte; und er flog weit über das wilde Meer hinaus. Plötzlich senkte sich der Rabe hinab, so daß der Junge bis an den Leib ins Wasser getaucht wurde. »Ach nein!« schrie der Junge, »ich glaubte, ich wäre dort geblieben.« - »Ja, das glaubte ich auch, als du zum ersten Mal auf mich schossest,« sagte der Rabe. Und dann schwang er sich wieder hoch zu den Wolken empor und flog weit, weit über das wilde Meer hinaus. Dann senkte er sich plötzlich wieder hinab, so daß der Junge bis an das Kinn eingetaucht wurde. »Ach nein!« schrie der Junge, »jetzt glaubte ich wirklich, ich wäre dort geblieben.« - »Ja, das glaubte ich auch, als du zum zweiten Mal auf mich schossest,« sagte der Rabe. Dann schwebte er wieder empor und flog noch weiter über das Meer hinaus, bis er sich plötzlich in dasselbe hinabfallen ließ, so daß die Wellen über dem Kopfe des Jungen zusammenschlugen. »Ach nein,« schrie er, »jetzt glaubte ich doch wahrhaftig, ich wäre dort geblieben.« - »Das glaubte ich auch,« sagte der Rabe, »als du zum dritten Mal auf mich schossest.« Dann schwang er sich wieder hoch in die Luft und flog immer weiter, zuerst übers Meer und dann über Land, bis er zu einem einzelnliegenden Bauernhofe kam. Dort senkte er sich hinab und setzte den Jungen auf dem Felde hin und sagte, er möge in den Hof hineingehen und vom Salbyer Raben grüßen, man solle ihm eine Schüssel voll Grütze mit zwölf Butterlöchern geben. Wenn er das erhielte, sollte er zwölf Löffel voll Grütze davon essen und jeden in ein Butterloch tauchen. Für jeden Löffelvoll, den er äße, erhielte er die Stärke eines Knechtes. Wenn man ihn auf dem Hofe nach Neuigkeiten frage, solle er stillschweigen und thun, als ob er nichts wisse. Wenn er die Grütze bekommen habe, solle er hinausgehen und sich nach dem Salbyer Raben umsehen; sähe er dann denselben nicht, so werde er wohl einen kleinen weißen Lappen an einem rothen Faden in der Luft schweben sehn. Wenn er dem nur folge, werde er schon den Raben finden.

Der Junge machte es, wie der Rabe ihm gesagt hatte, er ging in den Hof und grüßte vom Salbyer Raben, man solle ihm eine Schüssel Grütze mit zwölf Butterlöchern geben; die erhielt er, und mit den zwölf Löffelnvoll erhielt er die Stärke von zwölf Knechten. Die Leute auf dem Hofe wollten ihn ausfragen, aber er schwieg still und ging hinaus, um nach dem Raben zu sehen, aber er konnte keinen Raben erblicken. Da sah er einen weißen Lappen an einem rothen Faden oben in der Luft flattern, und als er demselben folgte, kam er endlich zu dem Raben, der ihn wieder auf seinen Rücken nahm und weit weg mit ihm flog, bis sie in die Nähe eines Edelhofs kamen. Dort setzte der Rabe ihn nieder und schickte ihn mit demselben Gruße vom Salbyer Raben dort hinein. Er erhielt wieder eine Schüssel Grütze mit zwölf Butterlöchern und gewann die Stärke weiterer zwölf Männer; er schwieg zu den Fragen der Leute still und fand wieder den Raben, indem er dem weißen Lappen an dem rothen Faden folgte. Der Rabe flog dann weiter mit ihm zu einem großen Schlosse, wo er auch hinein ging und auf den Namen des Salbyer Raben Grütze mit zwölf Butterlöchern erhielt; und er hatte jetzt die Stärke von sechsunddreißig Männern. Als er von dort herauskam, vermochte er keinen Raben zu erblicken, sondern nur den weißen Lappen an dem rothen Faden, und dem folgte er, aber der Weg ging einen sehr steilen Hügel hinan, und als der Junge auf dem Gipfel anlangte und den Lappen und den Faden noch in weiter Ferne sah, war er zu faul, um den Hügel hinunter zu gehn, und legte sich daher nieder und ließ sich denselben hinabrollen. Aber er stieß sich an Stümpfen und Steinen, so daß er jämmerlich zerschlagen ward, ehe er am Fuße des Hügels ankam. Dort lag er nun und rief laut zum Salbyer Raben um Hilfe in seiner Noth. Der Rabe kam denn auch herangesaust und nahm ihn auf, allein erst schlug er ihn tüchtig mit seinen starken Flügeln, weil er sich seiner alten Faulheit überlassen hatte.

Der Rabe flog jetzt mit dem Jungen auf seinem Rücken weit über Land und Meer, bis sie ein großes Königsschloß erblickten. Dort setzte er ihn nieder und sagte zu ihm: »In dies Schloß mußt du hineingehen und dich als Küchenjunge verdingen. Gieb jetzt acht, daß du der Heerstraße dorthin folgst. Und kommst du jemals in eine Gefahr, aus der du dich selber nicht erretten kannst, so rufe mich nur mit den Worten: 'Salbyer Rabe! hilf mir jetzt, denn jetzt bin ich in Noth!'« Als der Rabe dies gesagt hatte, erhob er sich auf seinen breiten Schwingen und schwebte so hoch empor, daß er dem Jungen bald außer Sicht kam. Als der starke Bursch jetzt allein war, dachte er: »Allerdings hat der Salbyer Rabe gesagt, ich solle der Heerstraße zum Schlosse folgen; aber ich sehe ja, daß sie viele Windungen macht und wohl ihre drei Meilen lang ist; gehe ich dagegen gerade hinüber, so ist es nur eine Viertelmeile bis dahin. Ich müßte also doch toll sein, wenn ich nicht den nächsten Weg einschlüge.« Damit schritt er geradeaus; aber dieser Richtweg war ein Irrweg, denn bald saß er in einem grundlosen Moraste zwischen spitzen Dornen fest, so daß er weder vorwärts noch zurück konnte. Da rief er: »Salbyer Rabe! hilf mir jetzt, denn jetzt bin ich in Noth!« Da kam der Rabe angesaust und ergriff ihn mit seinen Krallen und zauste ihn tüchtig zwischen den Dornen herum, und sagte, das gebühre ihm für seinen Fürwitz. Dann brachte er ihn auf dieselbe Stelle wie vorhin und schwang sich in die Lüfte. Jetzt war der Bursch durch Schaden klug geworden, und er folgte der Heerstraße, bis er zum Schlosse kam. Dort ging er in die Küche hinein und bat, man möge ihm einen Dienst als Küchenjunge geben. Er wurde auch angenommen, und dort trug er Wasser und Feuerung herbei, daß es flecken konnte; Kräfte genug hatte er ja.

Im übrigen stand es schlimm dort auf dem Schlosse, denn der König hatte einmal in Wassersnoth seine Tochter dem Meermanne versprochen, und kurz nachdem der junge Bursche dort in Dienst getreten war, ließ jener Meermann sagen, jetzt wolle er die Königstochter haben, und am nächsten Tage solle sie an den Strand zu ihm kommen, sonst werde er das ganze Reich verheeren. Das gab eine Trauer und einen Jammer ohne Gleichen. Der König bot seine Tochter und das halbe Reich dem, welcher ihn davon befreien könnte, dem Meermanne sein Wort zu halten. Nun war ein vornehmer Herr dort auf dem Schlosse, welcher Ritter Roth hieß. Er versprach hoch und theuer, mit dem Meermanne zu kämpfen und die Prinzessin zu retten. Am nächsten Morgen begleitete Ritter Roth auch die Prinzessin an den Strand; aber sobald er eine hohe Woge sich von weit draußen her ans Land wälzen sah, dachte er, es sei der Meermann, und da lief er in den Wald hinein und kletterte auf einen Baum und überließ die Prinzessin sich selber.

Der Küchenjunge hatte sich mittlerweile an demselben Morgen aus der Küche und an den Strand hinab geschlichen. Er sah dieselbe hohe Woge sich heran wälzen, vor welcher Ritter Roth das Hasenpanier ergriff. Aber er blieb da und sah genauer zu, und er sah die Woge sich brechen und ans Land schäumen, aber es war kein Meermann darin: sie benetzte nur die Füße der Prinzessin und flutete dann zurück. Kurz darauf kam eine zweite Woge, größer als die erste; die benetzte die Prinzessin bis zum Gürtel, aber sie barg auch keinen Meermann. Sobald sie verronnen war, kam eine Woge, so hoch wie ein Haus, aus der Tiefe herangerollt, und die schlug über dem Haupte der Prinzessin zusammen, und in dieser Woge war der Meermann. Aber gerade als er sie ergreifen wollte, schoß der Küchenjunge herbei und packte ihn, und die beiden rangen jetzt mit einander am Meeressaume, so daß der Sand bergehoch um sie her lag. Freilich bedurfte der Bursch der Stärke aller sechsunddreißig Männer zu dem Kampfe; aber das Ende war doch, daß er den Sieg errang und dem Meermanne den Garaus machte, so daß die Welle seine Leiche ins Meer trug.

Nach diesem Kampfe war der Bursch so müde, daß er am Strande niedersank und in einen tiefen Schlaf fiel. Da ging die Prinzessin zu ihm hin und flocht einen goldenen Ring in sein Haar und eilte dann dem Schlosse zu, um ihrem Vater die gute Botschaft zu bringen. Aber als sie in den Wald kam, kletterte Ritter Roth eiligst vom Baume herab und bedrohte ihr Leben, wenn sie nicht seine Aussage bestätigen wolle, daß er und kein anderer sie vor dem Meermanne gerettet habe. Sie gingen also mit einander zum Schlosse, wo Ritter Roth lang und breit von seiner Tapferkeit erzählte, wie er dem Meermanne den Garaus gemacht und die Tochter des Königs gerettet habe. Da ward große Freude und Lust, und Ritter Roth sollte jetzt in acht Tagen mit der Prinzessin Hochzeit feiern und dann das halbe Reich als Mitgift erhalten.

Der Hochzeitstag erschien, und die Gäste stellten sich ein, und es war eine Pracht, deren Gleichen man noch nie im Königsschlosse gesehen hatte. Allein an der Hochzeitstafel ergriff die Prinzessin plötzlich das Wort und sagte: wer sie gerettet und dem Meermanne den Garaus gemacht habe, das wisse sie nicht; aber das wisse sie, daß sie ihren goldenen Ring in sein Haar geflochten habe, als er, ermüdet von dem schweren Kampfe, am Meeresstrande in Schlaf gefallen sei; daher wolle sie keinen andern zum Manne haben, als den, welcher den Ring hätte. Jetzt stand es schlecht um Ritter Roth; denn er hatte ihren goldenen Ring nicht; und der König ließ daher den Befehl durchs Land ergehen, daß alle Männer in seinem ganzen Reiche aufs Schloß kommen und in Augenschein genommen werden sollten, ob der goldene Ring der Prinzessin ihnen ins Haar geflochten sei. Sie wurden also alle in Augenschein genommen, so viel ihrer im Reiche waren; aber kein goldener Ring war zu finden.

Da begann der König zornig zu werden und zu sagen, den goldenen Ring wolle die Prinzessin ihnen wohl aufbinden; aber sie fuhr fort zu behaupten, es müsse noch jemand dasein, der nicht in Augenschein genommen worden sei; und da fiel ihnen ein, daß draußen in der Küche des Königs ein großer Küchenjunge sei, den man noch nicht besichtigt habe, und der König sandte daher zwei seiner stärksten Diener ab, um ihn zu holen, er möge wollen oder nicht. Sie kamen zu dem Burschen und sagten, er solle gleich zum König herein kommen, der wolle mit ihm reden. Aber der Bursch sagte, er habe nichts mit dem König zu reden. Wenn der König etwas von ihm wolle, so könne er zu ihm kommen. Die Diener packten ihn daher und wollten ihn mit Gewalt hineinführen; aber da kamen sie an den Unrechten, denn er warf sie wie ein Paar Waschlappen zur Erde; und sobald sie sich wieder auf die Beine machen konnten, liefen sie zum Könige hinein und sagten, der Bursch wolle nicht kommen, und sie könnten seiner nicht Herr werden. Da schickte der König zehn seiner besten Mannen nach ihm aus; aber es erging den zehn wie den zweien; und nicht besser ging es, als der König seine vierundzwanzig stärksten Hünen absandte: der Bursch sagte auch da noch, er habe nichts mit dem Könige zu reden; wolle der König etwas von ihm, so könne er zu ihm kommen. Und als sie Gewalt brauchen wollten, nahm er sie und schlug sie je zwei und zwei zusammen und warf sie köpflings zur Thür hinaus.

Jetzt mußte der König also seinen eigenen Diener machen und in die Küche gehn und den Burschen hübsch bitten, ihn in den Saal hinauf zu begleiten, und das that er denn auch; und als er dort hinauf kam, so schmutzig er war und mit seiner rothen Mütze auf dem Kopfe, mußte ihn der König sogar schön bitten, die Mütze einen Augenblick abzunehmen; und sobald er die abnahm, sahen sie alle den goldenen Ring der Prinzessin in seinem Haar blitzen. »Bist du es, der meine Tochter von dem Meermanne errettet hat?« frug der König. »Jawohl,« sagte der Bursche. »Wie ist das zugegangen, daß du sie retten konntest?« frug der König weiter. »Es ist so zugegangen,« sagte der Bursche, »daß ich die Stärke von sechsunddreißig Männern habe, und nur einer ist stärker als ich, und das ist der Salbyer Rabe, der hat die Stärke von siebenunddreißig Männern.« - »Ja,« sagte die Prinzessin, »er und kein anderer war es, der mit dem Meermanne kämpfte und mein Leben rettete, während Ritter Roth im Walde saß und in einen Baum geklettert war, ehe der Meermann kam.«

Da wandte sich der König zu seinen Leuten und sagte: »Ergreift jetzt gleich den falschen Ritter Roth und henkt ihn in den höchsten Baum in dem Walde, wo er sich versteckte, als er die Prinzessin schützen sollte!« Aber zu dem Burschen sagte er, er könne jetzt die Prinzessin und das halbe Reich erhalten; das gebühre ihm für seine That. Der Bursche dankte ihm für das freundliche Anerbieten, sagte aber, er habe noch nicht daran gedacht, sich zu verheiraten und fest niederzulassen; er wolle daher weder die Prinzessin noch das Reich, aber er wolle wohl dem Könige noch eine Weile länger dienen. So wurde er denn über das Kriegsheer des Königs gesetzt und empfing so hohen Lohn und so viele Kleider und Waffen und Pferde, wie er wollte; und so ging es eine Zeitlang. Aber da geschah es eines Tages, daß er auf der Straße dahin ritt, und alle, denen er begegnete, ihm auswichen, denn sie wußten, daß er die Stärke von sechsunddreißig Männern besaß. Endlich begegnete er einem anderen Reiter, der ihm nicht auswich, sondern gerade auf ihn zuritt, und als sie einander trafen, legte der fremde Reiter seine Hand auf seine Schulter, so daß sein Pferd alle viere auf der Erde von sich streckte und der starke Bursche selbst in die Kniee brach. Da merkte er, daß er seinen Meister gefunden habe und rief laut: »Salbyer Rabe! hilf mir jetzt, denn jetzt bin ich in Noth!« - »Nein, du bedarfst keiner Hilfe,« antwortete der Salbyer Rabe; denn er selbst war es, der dem Burschen begegnete. Er gab sich ihm jetzt zu erkennen, und der Bursch geleitete ihn nach Hause in sein Schloß und sein Königreich, und dort erhielt er die Schwester des Salbyer Raben zur Frau und lebt noch heute mit ihr in Freude und Herrlichkeit.

Quelle: Svend Grundtvig - Dänische Volksmärchen