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Donnerstag, 30. April 2020

Sei wachsam!


Ein altes Lied von Reinhard Mey. Der Text passt noch immer, es hat sich in all den Jahren nichts verändert. Im Gegenteil, so schlimm wie jetzt war es noch nie!

Besser kann man einen Aufruf kaum formulieren. 1996 entstanden und immer noch aktuell. 

Sei wachsam 

Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk' mir, jeder Schritt zu dem verheiß'nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm – ich halt' sie arm!

Sei wachsam,
Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Und fall nicht auf sie rein!
Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk' dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten.
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

Sei wachsam,
Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Und fall nicht auf sie rein!
Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk' dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Es ist 'ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
'ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,
Und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen,
Kein Pfeifchen Gras, aber 'ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen.
Verseuch' die Luft, verstrahl' das Land, mach ungestraft
den größten Schaden,
Nur lass dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau'n,
Und die Polizei muss immer auf die Falschen drauf hau'n.

Sei wachsam,
Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Und fall nicht auf sie rein!
Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk' dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Wir ha'm ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren.
Was hilft's, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land Gewalt ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen.“
Sie zieh'n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!

Sei wachsam,
Präg' dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Und fall nicht auf sie rein!
Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk' dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Ich hab' Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon' mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab' Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach 'nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie werd'n dich ruinier'n, exekutier'n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.
Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.



5:43 Minuten

4 Kommentare:

  1. Hallo.
    Ja,das ist ein wahres Lied von Rainhard May.Er hat ja auch das Lied Narrenschiff gesungen.
    Ich habe 2012 auch etwas zum Aufstieg von Mutter Erde gedichtet.Ich schreib es mal hier rein.
    Der Aufstieg von Mutter Erde:
    Mutter Erde geht ins Licht und nimmt Ihre Kinder mit!
    Jeder geht auf seine Weise,mit Mutter Erde auf die Reise!
    Mancher tut sich schwer daran,weil er denkt,das er nicht mithalten kann!
    Manch einer meint,er schafft es nicht,aufzusteigen in das Licht!
    Manche Menschen schlafen noch,sind noch gar nicht richtig wach!
    Doch - wer ausgeschlafen ist,der bekommt so einiges mit!
    Die Finanzwelt - sie geht munter,immer mehr den Bach hinunter!
    Lügen werden aufgedeckt,kommen jetzt aus ihrem Versteck!
    Unsere Nahrung wird kommplett,mit allem,was es gibt verdreckt!
    Doch,die Menschen werden wach,denken über vieles nach!
    Sie lassen sich nicht mehr beschränken,in ihrem handeln und im denken!
    Sie nehmen ihr Leben jetzt selbst in die Hand,laufen nicht mehr mit zu Augen vor die Wand!
    Immer mehr Menschen werden wach,mit jeder Stunde,mit jedem Tag!
    Die,die jetzt noch sind am schlafen,auch sie werden "hoffentlich"noch rechtzeitig erwachen!
    In diesem Sinne:
    Liebe Grüße an alle,die schon wach sind und ein lautes Weckerklingeln,für die die noch schlafen

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    1. Vielen Dank für den Kommentar und das Gedicht. Es gefällt mir sehr gut.
      Ich hoffe auch, es werden noch mehr aufwachen. Leider schlafen immer noch viele und so mancher lässt sich nicht überzeugen und schläft weiter.
      Liebe Grüße und alles Gute.

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  2. Ja leider,aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben.
    Liebe Grüße und alles Gute

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    1. Niemals werden wir aufgeben!
      Liebe Grüße und immer Hoffnung im Herzen.

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